Welcome to Web 2.0
Eigentlich haben alle Menschen, die das Internet kennen und nutzen, das Web 2.0 schon für sich entdeckt. Es wird nicht nur gechattet, sondern gepostet, getwittert und kommentiert, wobei sich schon zeigt, dass das Web 2.0 sogar eine neue Sprache hervorgebracht hat. Ein Opa, der seinen halbwüchsigen Enkeln bei einem Gespräch über ihre Internet Gewohnheiten zuhört, wird wohl verständnislos den Kopf schütteln: Ein Freund hat getwittert, dass er jetzt mit seiner Schnitte im Jacuzzi abchillt – das muss doch gleich auch bei Facebook gepostet werden. Wird zum Abschied noch vermerkt, dass die beiden am Abend noch einmal skypen wollen, ist dies mindestens ebenso unverständlich für Großvaters Ohren. Dabei handelt es sich bei diesen Begriffen um nichts anderes, als in die Alltagssprache eingebundene, oft eingedeutschte Worte aus der Anwendersprache am Computer.
Je mehr das Internet zum Teil des Lebens wird, umso mehr hat auch die sprachliche Verwendung spezifischer Worte sich eingebürgert. Die jungen Menschen von heute verstehen sich in dieser Beziehung blind – einfach, weil der Computer und das Internet mit allen Gefahren, Vorteilen – vor allem auf kommunikativer Ebene – und Amüsements zu ihrem Leben gehört, wie Kleidung, Zahnbürste oder Schulbücher. Die Menschen, die heute ins Internet gehen, verstehen es, all die Angebote für sich zu nutzen. Sie informieren sich in Weblogs, auf Frageportalen und in Foren über ein Thema, nutzen die Angebote der Seitenbetreiber aus und finden so für sich die günstigste Einkaufsmöglichkeit, eine Anleitung oder ein anderweitiges Hilfsmittel. Der Küchenshop, der Küchen verkaufen möchte, wirbt mit einem Küchenplaner. Bricht der Kunde nach der Online Planung seinen Besuch auf der Seite ab, hat er eine Ahnung davon, wie er seine Dunstabzugshaube platziert und wie die Möbel verteilt werden – wo er kauft, bleibt ihm überlassen. Doch wenn einige Besucher den Küchenplaner in Verbindung mit dem Einkauf benutzen, hat sich dieses allgemeine Angebot auch für den Händler schon gelohnt.
Der Gründer des World Wide Web, der bekannte Tim Berners-Lee, bestritt in einem Interview, dass das Web 2.0 etwas Neues sei. Er gehe nach wie vor davon aus, dass dieses angebliche Novum einfach eine Entwicklung sei, die ohnehin so vorgesehen war, als das Web 1.0 die Welt für sich eroberte. Das Internet sei dazu da, um zu veröffentlichen, aber auch, um als Konsument davon zu profitieren. An den im Netz veröffentlichten Wiki Seiten wird es deutlich, was er meint: Jemand verfasst einen Artikel, zum Beispiel zum Thema Betten, und macht sich die Mühe der Recherche, des Zusammentragens einzelner nachgewiesener Informationen. Dieser Artikel steht im Netz – zu finden über die Suchmaschine. Nun gibt es die Konsumenten, die die Seite einfach dazu benutzen, ihren Wissensstand, etwa vor einem Onlinekauf, auf den neuesten Stand zu bringen. Sie lesen das Geschriebene, verwerten es für ihre Zwecke. Aber es wird auch einige User geben, die über das Thema noch etwas zu sagen haben und ebenfalls die Arbeit nicht scheuen, den Artikel um dieses Wissen zu erweitern. Wird von vielen Computerspezialisten das Web 2.0 also als neues Kapitel gesehen und behandelt, bleiben die Kritiker der Auffassung, dass heute noch Techniken und Anwendungen aus den Anfängen des WWW ihre Verwendung finden: Modernisiert, der Zeit und Geschwindigkeit angepasst, aber in den Grundzügen unverändert.
Netzwerke sorgen für rasend schnelle Publikation
Wer kennt nicht das Prinzip des Kinderspiels „stille Post“, weiter ausgebaut im Klatsch beim Friseur, am Arbeitsplatz oder an beliebiger anderer Stelle, an der es „menschelt“: Einer weiß etwas, erzählt es dem nächsten. Dieser nächste berichtet darüber den Menschen, die er kennt, und binnen einiger Stunden weiß es die halbe Stadt. Im Internet ist das noch einfacher. Hier kann ein privater Inhalt ebenso veröffentlich werden, wie auch die Eröffnung eines Gasgrill Shops – also ein kommerzieller Inhalt – seine Runden machen wird, wenn es richtig angestellt wird. Postet jemand etwas bei Facebook, wird der „gefällt mir“ Button von einem oder mehreren seiner Freunde angeklickt. Damit ist es auf deren Pinnwand zu lesen und verbreitet sich in Windeseile in einem Kreis von mehreren Tausend Menschen. Das gilt für jegliche geteilte Message: Ein Video gefällt – es wird bei Facebook geteilt. Ein Radiosender, eine Internetseite ist toll? „Like“! Fotos, geschriebene Worte, Gedichte und alles, was man ins Internet stellen kann, verbreiten sich auf diese Weise über den gesamten Erdball. Manchmal überlegt, manchmal eher unüberlegt, denn nicht jedes Foto, das ein Facebook User veröffentlicht, kommt ihm bei seiner nächsten Bewerbung, anlässlich welcher der Personalchef über die Person einfach die Suchmaschine strapaziert, wirklich zugute. Der Chef, auf der Freundesliste im Social Network, ist ein noch viel größeres Problem: Frust über die Arbeit bekommt man nur zu gerne zu lesen – aber das Gesagte lesen eben nicht nur die Freunde.
Die Publikationen in geschäftlicher Hinsicht sind manchmal mehr, manchmal weniger mit einem wirklichen Sinn verbunden. Es reicht nicht immer aus, auf der Shopseite für Trachten einen Link zum sozialen Netzwerk anzubieten. Wenige Kunden werden ihn anklicken, um ihren Einkauf bezüglich Dirndl oder Lederhose zu veröffentlichen und den Shop sozusagen zu empfehlen. Es muss das Interesse der Kunden an dieser Veröffentlichung geweckt werden. Dazu gehören Aktionen, wie zum Beispiel Gewinnspiele und andere „Verlockungen“.
Nur, wenn es auch lohnend erscheint, werden die meisten Kunden auf diese Weise kostenlos für eine Art der Werbung im Internet sorgen. Das kann funktionieren, wie aus der Tatsache, dass selbst die großen Discounter die Netzwerke benutzen, um im Gespräch zu bleiben, hervorgeht. Alleine die Arbeit mit den Netzwerken reicht ja durchaus nicht aus, um im Internet einen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Einen Shop zu eröffnen, diesen auf obige Art zu vernetzen: Das ist nur ein Teil der Arbeit, die zu erledigen ist. Deswegen nutzen viele auch ein anderes Phänomen des Web 2.0 – zunächst für eher private Belange geschaffen – in kommerzieller Weise: Den Weblog, auch Blog genannt. Hier zählt nicht nur das geschriebene Wort, sondern können zum Beispiel Präsentationsvideos, etwa für zu verkaufenden Schmuck, eingebracht werden, neben Bildern und anderen Grafiken.
Der Weblog: Privat oder Kommerziell?
In einem Weblog treffen sich die User, um über ein Thema zu schreiben. Das kann bedeuten, dass ein Verfasser seine Gedanken, sein Wissen zum Besten gibt, aber auch, dass mehrere Autoren dieser Leidenschaft nachgehen. Andere User, die sich für das Thema interessieren, kommen auf die Seite, um zu kommentieren – mitzureden also. Schnell jedoch vermischen sich hehre private Interessen mit kommerziellen Möglichkeiten: Bekommt der Blog einen gewissen Bekanntheitsgrad, kann hier Werbung ein wenig Geld in die Kassen bringen. Ein Blog kann aber durchweg schon kommerzieller Natur sein, wird er ins Leben gerufen. Nicht zuletzt wird durch SEO die Bekanntheit künstlich ein wenig forciert – und so entsteht beispielsweise ein zwar informativer und aussagekräftiger, jedoch aus rein geschäftlichen Gründen ins Leben gerufener Blog, wie zum Beispiel über Schuhe aus einem Online Shop. Verbunden mit allen Möglichkeiten des Web 2.0 ist hier einiges Potential versteckt: Durch Verknüpfungen mit einem Social Network (oder mehreren), Verlinkungen mit interessanten Seiten im Netz und anderen Mitteln steigt der Ruf des Blogs schnell an – oder nicht, wenn Fehler im Konzept der Publikation zu finden sind.
User generated content – Seiten von Usern für User
Zumindest unter den regelmäßigen Besuchern im Internet ist mittlerweile auch bekannt, dass im Netz auf jede Frage eine Antwort zu finden ist. Hier gibt es die Seiten, die mit dem sogenannten User generated content gefüllt sind – eine informative Ansammlung gestellter Fragen, auf die es zumeist auch mindestens eine Antwort gibt. Der eine will eine Anleitung, um in seinem Haus etwas selbst zu bauen, der andere hat Ärger mit einer Security beim Fußballspiel und befürchtet rechtliche Konsequenzen – wieder ein anderer User stellt seine Frage zum Ausfüllen eines Formulars, zum Nutzen einer Software: Die Themenvielfalt ist riesig, eigentlich unendlich. Nicht nur solche Frage-Antwort-Portale, sondern auch manches themenbezogene Forum findet sich im Netz. Das Thema wird vom Betreiber des Forums vorgegeben, die Threads werden von Mitgliedern und zum Teil auch Gästen eröffnet. Diskussionen zum Thema Haustiere, Computer, Pflanzen, Kochrezepte und so weiter werden hier stattfinden: Ebenfalls ein von Usern geschaffener Inhalt, der aber für zufällige Besucher ein interessanter Lesestoff, eine Recherchequelle und der Weg in ein neues Hobby werden kann.
Portale im Netz für Jedermann
Angebot und Nachfrage – Kommerz und Konsum: Nirgends treffen sich diese Dinge in ausgeprägterer Form, als im Web 2.0. Hier spielt zum Beispiel der Fachbegriff Social Media eine Rolle. Das Internet ist in diesem Fall kein einseitiges Geschäft, sondern ein Dialog zwischen Menschen, die etwas anbieten, verkaufen, Informationen preisgeben – und jenen, die etwas suchen, kaufen wollen, recherchieren müssen. Ein Beispiel für einen solchen Internetauftritt ist ein Portal für den Immobilienmarkt. Verkäufer, Verpächter, Vermieter auf der einen Seite, Käufer, Pächter und Mieter auf der anderen. Im Mittelpunkt stehen die Inserate auf dem Portal, die das Begehren kundtun. Auf nie dagewesene globale und sehr schnelle Art und Weise gehen all die Besucher dieser Seite ihrem Interesse nach.
Eine Neuerung der letzten Jahre sind auch die Social Bookmarks, die – sehr einfach gesagt – ein Netzwerk aus Lesezeichen darstellen. Auf einem Online Server legen die User ihre Lesezeichen ab: Somit kann jeder darauf zugreifen und diese Links für sich nutzen. Mit RSS Feeds können zum Beispiel die beliebtesten Lesezeichen nachverfolgt werden. Auch thematisch können diese Feeds sortiert werden, sodass zum Beispiel auf alle abgelegten Links zum Thema Auto bequem zugegriffen werden kann.
Nicht vergessen werden dürfen auch jene Portale, die als Dienstleister fungieren, indem sie zum Beispiel Preisvergleiche ermöglichen, auf denen aber auch die günstigste Versicherung in Abhängigkeit zu den erbrachten Leistungen gefunden werden kann. Konsequent und klug genutzt, ist das Vernetzen in dieser sehr speziellen Art und Weise ein Vorteil für jeden Konsumenten, der sich die Mühe macht, seine Kosten auf diese Weise zu durchleuchten und teure Verträge gegen billigere austauscht, beziehungsweise vor dem Einkauf den günstigsten Anbieter recherchiert. Die Nutzung der meisten dieser Portale ist mit wenigen oder keinen Kosten verbunden – die Anbieter profitieren vom Web 2.0 als Netzwerk: Auf der Seite treffen sich Händler und Kunden, private Anbieter und Suchende. Das macht die Seite zu einem repräsentativen und vielbesuchten Ort im Netz, auf dem sich Reklame gut zahlender Kunden lohnt.